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15. September 2019
Rauschgut – Zeitgeist & Infotainment
Politik

Wieder einmal ist der Weltkrieg gegen die Drogen gescheitert.

die gescheiterte Drogenpolitk der Welt

Die Maßnahmen der Staatenlenker dieser Welt gegen illegale Substanzen funktioniert nicht. Es ist Zeit die Wahrheit über den Drogenkonsum zu diskutieren.

Es gab selten gefährlichere Zeiten ein Drogenkonsument zu sein.

Die chemische Buchstabensuppe allerlei Substanzen – von obskuren Forschungsmodellen und gefälschten verschreibungspflichtigen Pillen über Fentanyl bis hin zum hochwirksamen Ecstasy – die heute weltweit illegal produziert und verkauft werden, hat den Drogenkonsum zu einer weitaus gefährlicheren Sache werden lassen als jemals zuvor.

Je unerfahrener und unmündiger ein Nutzerix ist, umso größer wird das Risiko. Die fehlenden Erfahrungen machen junge Menschen weitaus anfälliger für Überdosierungen, während solche Leute die von Drogen wie Heroin und Opiaten abhängig sind, maßgeblich zur weltweiten Statistik von Drogentoten beitragen.

Das betrifft gerade den Erwerb im illegalen Verkauf. Diejenigen, die am ehesten von den Polizeikräften aufgegriffen werden, sind die vom Leben oft sehr gebeutelten, noch sehr jungen Heroin-, Meth- und Crackverkäufer, die sich von Großhändlern ausbeuten lassen um damit in erster Linie den eigenen Konsum zu finanzieren, statt der gediegene Koksdealer in der feinen Bar. Es sind die Heroinkonsumentixe, die sich ihre Sucht finanzieren bis hin zu den Teenagern, die sich als nützliche Idioten von Drogenbanden im Straßenverkauf engagieren, um sich damit ihren Konsum und Lebensunterhalt zu verdienen. Es sind die friedlichen, oft sehr jungen und doch so schwachen Menschen, die sich dem Sachzwang eines zerstörten Lebens ergeben, während die großen Player keine Schwierigkeiten haben, das Geld dafür aufzubringen.

Während es zwar durchaus Fortschritte in einigen Ländern zu geben scheint und es hier und da doch konstruktive Diskussionen innerhalb politischer Debatten gibt, sind bis heute die meisten Regierungen beim Versuch den Drogenkonsum zu kriminalisieren kläglich gescheitert.

Die in erst in dieser Woche vom International Drug Policy Consortium, einem einflussreichen globalen Netzwerk von über 175 NGOs veröffentliche, sehr detaillierte Analyse über den „globalen Krieg“ gegen den weltweiten Drogenkonsum, ist bisher der einzige seiner Art. Dieser erste, sehr erschütternde Bericht ist in seiner Gesamtzusammenfassung verheerend.

Eine Bestandsaufnahme: Der seit über einem Jahrzehnt von den Regierungen der Welt und dem UN-Büro für Drogen und Verbrechen beobachtete Irrsinn von Gräuel und Gemetzel, wo Millionen von Menschen ermordet, verschleppt oder hingerichtet wurden, sind neben dem Sandsturm von Überdosen und der explosionsartig entstehenden Sucht, die Zusammenfassung einer nach wie vor unfassbar existenten Hölle auf Erden. Dennoch ist die Kriminalisierung der Sucht an sich auch ein Krieg gegen die eigenen Bürger und dieser „Krieg“ ist auf nahezu jeder messbaren Ebene bis heute zutiefst gescheitert. Die Pharmaindustrie hat die Produktion von Medikamenten vervielfacht und die organisierte Kriminalität benötigt den Suchtfaktor vieler Menschen nach wie vor als wichtigste Einnahmequelle.

Im Jahr 2009 veröffentlichte die UNO eine aktualisierte Reihe von Richtlinien, die den Mitgliedsländern bei der Bekämpfung des Drogenkonsums als Orientierungshilfe dienen sollen. Eines der dort formulierten Hauptziele sogenannter „Drogenstrategie der Vereinten Nationen“ war der Wunsch, “2019 als Zieldatum für alle Staaten festzulegen, die illegale Nachfrage nach Suchtstoffen und psychotropen Substanzen zu beseitigen oder deutlich zu reduzieren”. Diese doch sehr naive Träumerei zur Beseitigung des Drogenkonsums wurde ausgerechnet von Präsident Trump auf einer Sitzung der UN-Generalversammlung wiederholt formuliert, die er erst im letzten Monat hier für einberufen hatte und davon pöbelte: “Die Vereinigten Staaten freuen sich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen, unsere Gemeinschaften zu stärken, unsere Familien zu schützen und eine drogenfreie Zukunft für alle unsere Kinder zu schaffen”.

Trotz dieser anspruchsvollen Ziele ist der Anbau von Schlafmohn in den Jahren seit der Veröffentlichung dieser Richtlinien um mehr als 130 Prozent und der von Kokasträuchern um 34 Prozent gestiegen. Auch diejenigen Ziele, das Produzieren von synthetischen Drogen und Vorprodukten zu unterbinden oder zu verringern, so wie die Bekämpfung der Geldwäsche in die Tat umzusetzen, waren so erfolglos wie das Versetzen von Bergen.

Die UNO selbst schätzt dass 2016 weltweit mindestens 275 Millionen Menschen illegale Drogen konsumiert haben – das ist einer von 17 Bürgern. Der IDPC-Bericht sagt auch, dass es seit 2011 einen Anstieg des weltweiten Drogenkonsums um 31 Prozent gegeben hat. Das ist also keine Erscheinung einer „Freak-Flag-Subkultur“, sondern die nackte Realität. Drogenkonsumenten bedienen das gesamte Spektrum der Bürgerschaft und doch hat die globale Drogenpolitik diese Menschen als ein fast ausschließlich zu „beseitigendes“ Problem behandelt.

Der Bericht beschreibt weiter, dass in den letzten zehn Jahren die drogenbedingten Todesfälle um 145 Prozent gestiegen sind und sich weltweit auf fast eine halbe Million Todesfälle pro Jahr erhöht haben. Im Jahr 2017 gab es in den Vereinigten Staaten mehr als 71.000 Todesfälle durch Überdosierung, die zum Teil durch ein zunehmend gefährliches Sammelsurium synthetischer Drogen verursacht worden sind, einschließlich Fentanyl, das als eine direkte Reaktion der Lieferanten auf die Bekämpfung des traditionellen Heroinhandels auftraten.

Es ist längst an der Zeit, all die Mythen und die Unwissenheit zu beseitigen, die so oft als „Todschlagsargumente“ herhalten müssen, wenn man über Drogen spricht.

Das Suchtproblem wird so kaum Gelegenheit haben, beseitigt zu werden. In den letzten zehn Jahren wurden mindestens 3.940 Menschen hingerichtet, viele davon aufgrund gewaltfreier Drogendelikte, wobei 33 Länder die Todesstrafe für Drogendelikte beibehalten haben. Das sind nur die offiziellen staatlichen Hinrichtungen: Die IDPC schätzt, dass es 27.000 außergerichtliche Hinrichtungen bei Drogendelikten gegeben hat. Viele davon wurden vom philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte durchgeführt, dessen Taktik Drogenkonsumenten und -händler ohne Prozess zu töten, von Präsident Trump ausschließlich gelobt worden sind. (Trump erzählte Duterte einmal, dass er einen “unglaublich riesigen Job bei der Drogenproblematik macht.”) Jeder fünfte Gefangene in den Gefängnissen der Welt ist wegen Drogendelikten im Gefängnis. In einigen lateinamerikanischen Ländern und Thailand verbüßen über 80 Prozent der im Gefängnis sitzenden Frauen Strafen wegen Drogendelikten.

Genau deshalb ist der 136-seitige Bericht des IDPC so alarmierend, nicht nur wegen der enormen Zahl von Menschen, die in Sucht und Kriminalität getrieben worden sind, sondern auch deshalb, weil die Drogenpolitik konsequent dazu genutzt wird, die am stärksten sozial ausgegrenzten und verwundbarsten Menschen auf der Welt zu bestrafen.

Der IDPC-Bericht wurde für eine hochrangige UN-Sitzung zum Thema für den März des nächsten Jahres erarbeitet, bei der die Minister aus der ganzen Welt ihre eigene Bewertung der Fortschritte der letzten zehn Jahren vornehmen werden. Die dort ermittelten Ergebnisse sollen die globale Politik der „nächsten Schritte“ gestalten. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es dabei zu einem großen Konsens kommen wird. Gelähmt durch tief gespaltene Ansätze wird die UNO wahrscheinlich die gleiche schädliche, verlorene Strategie der letzten zehn Jahre durchlaufen, die für die nächsten zehn Jahre nur wiederholt werden soll.

Nachdem ich in den letzten 20 Jahren genug über Drogen diskutiert, gelesen und geschrieben habe, ist meine daraus gewonnene Schlussfolgerung, dass der weltweite Drogenkonsum nur dann beseitigt werden kann, wenn die Sonne platzt oder die Erde von einem riesigen Meteoriten so getroffen wird, das nix mehr übrig bleibt. Es ist also überfällig und längst an der Zeit, die Mythen, Übertreibungen und das Unwissen zu beseitigen, das so oft Verwendung findet, wenn es um Drogen geht. Drogen können Spaß machen. Sie können aber auch unheimlich gefährlich sein. Sicher ist nur, dass sie niemals verschwinden werden, solange es die Menschen gibt.

Ich habe für diesen Artikel die Fakten recherchiert, die jedem halbwegs denkenden Menschen dazu motivieren sollte, umzudenken. Es hilft nicht da nur einen Artikel drüber zu verfassen, aber zumindest müssen welche vorhanden sein, die geteilt werden können um auch bei den Medienorganisationen das Interesse zum Thema zu fördern und die Wahrheit anzuerkennen, wie sie wirklich gegenwärtig ist.

Rauschgut möchte motivieren, mich und Euch darum zu bemühen mehr in die Berichterstattung über Drogen zu investieren, Journalisten zu entsenden um den Menschen zuzuhören, die Drogenprobleme haben. Wir müssen uns einen echten Einblick in die Welt der Drogen erarbeiten und dabei untersuchen was Menschen motiviert überhaupt Drogen zu nehmen. Was die Ursachen dafür sind, süchtig zu werden, was sie antreibt Drogen zu verkaufen und welche Politik funktionieren könnte, und welche gerade nicht. Denn nur wenn man die wahre Natur der Drogenproblematik auf den Punkt bringt, besteht eine realistische Möglichkeit positive Fortschritte zu erzielen.

Wenn diejenigen, die Drogen konsumieren, weiterhin wie Kriminelle behandelt werden, bevor sie als Menschen angesehen werden, ist die Notwendigkeit einer offenen, ehrlichen Berichterstattung über dieses Thema von größter Bedeutung.

In seinem 1989 erschienenen Buch „Rausch“ (Intoxication), kam der amerikanische Pharmakologe Ronald K. Siegel zu dem Schluss, dass nach den grundlegenden menschlichen Wünschen von Hunger, Durst und Sex ein “vierter Antrieb” besteht, der instinktive Drang, unseren normalen Bewusstseinszustand zu ändern. Der Akt des Eintretens in einen veränderten Zustand ist ein faszinierendes menschliches Reich. Aber Drogenkonsum ist nicht nur persönlich: Die Drogen, die wir konsumieren und wie wir sie konsumieren, spiegeln unsere Gesellschaft wider. Der Drogenkonsum ist nicht nur dafür das Lackmuspapier, wie sich eine Gesellschaft fühlen möchte, sondern auch wie sie mit Verstößen umgeht.

Die globale Drogenpolitik befindet sich an einem Wendepunkt. In Kanada kann man jetzt einen Bankkredit für das Verkaufen von Cannabis erwirken, während man auf den Philippinen eine Kugel in den Kopf bekommt. In welche Richtung werden wir also mit dem Staatenbund gehen können?

Progressive Gerichtsbarkeiten wie Kanada, Uruguay und mehrere US-Bundesstaaten haben sich entschieden, gegen das internationale oder teilweise noch bestehende nationale Recht quasi zu verstoßen, weil sie den Cannabishandel legalisiert haben. Zumindest wird das Verbot von medizinischem Cannabis hier und weltweit mehr und mehr aufgehoben – sogar von Anti-Drogen-Kriegern der alten Schule wie Norwegen – und führt zu Entkriminalisierungs- und Schadensminderungsmaßnahmen. Sie verstehen, dass je weniger Drogenkonsumenten (und sogar Verkäufer) kriminalisiert werden, desto weniger werden sie stigmatisiert und desto einfacher ist es, ihnen zu helfen.

Das beschreibt die ganze Bedeutung der Probleme unserer „Weltgemeinschaft“: Die UNO ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden mit dem Ziel, Menschenrechte zu schützen, die Gesundheit zu verbessern, die globale Ungleichheit zu verringern und den Frieden zu fördern. Aber wenn es um die Drogenpolitik geht, sind die Mitglieder der Staaten so gespalten, dass eine effektive Drogenpolitik zu einem unmöglich erreichbaren Ziel werden kann.

In Wirklichkeit nehmen die meisten Menschen Drogen, weil sie daran Spaß haben. Manche, weil sie dem Alltag und den schlechten Gedanken entfliehen wollen, aber nicht weil sie moralisch korrupt und charakterlich miserabel sind. Drogenabhängigkeit und Drogenverkauf auf der Straße sind ein Symptom der herrschenden Ungleichheit und einem deutlichen Mangel an Hoffnung. Drogen sind keine Wirkung davon, dass die Menschen einfach nur faul oder böse sind. Wenn diejenigen, die Drogen konsumieren weiterhin wie Kriminelle behandelt werden bevor sie als erkrankte Menschen angesehen werden, ist die Notwendigkeit einer offenen, ehrlichen Berichterstattung über dieses Thema von größter Bedeutung. Es ist an der Zeit, die Karikaturen von Pushern zu begraben, die Drogen an Kinder vor den Toren der Schule verkaufen, den Zombie-Junkies und den „Blitzsucht“ Phänomenen. Jetzt ist es an der Zeit, dass die Realität so dargestellt wird wie sie wirklich gegenwärtig ist.

Weiterführende Verweise:

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